Rückblicke auf viele Jahre Chorgeschichte seit 2001

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Konzertberichte, Veranstaltungen, Reisen.

Rechts das Menü zur direkten Anwahl der Ereignisse des jeweiligen Jahres.

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Hier das Jahr 2004


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29. Januar 2004

Delegiertentage des SBdDP auf Mallorca

Bei schönstem Frühlingswetter und schon verblühenden Mandelbäumen trafen nacheinander ca. 1000 Chormitglieder am 29. Januar 2004 auf Mallorca ein. Viele hatten die vom Reiseveranstalter angebotene Verlängerungswoche gebucht. Am Freitag eröffnete der neue Vorsitzende Joh. Hoja den 75. Sängertag des SBdDP (Sängerbund der Deutschen Polizei) mit einer Grundsatzrede, die Duisburger ³Restroom-Singers" gaben Lustiges zu Gehör und alle gemeinsam sangen die Sängergruss-Fanfare. Die Schweriner und Harburger Delegationen waren im Schnee stecken geblieben und trafen erst am Samstag ein. Der SBdDP umfasst inzwischen 80 Chöre mit über 4000 Aktiven. Von spanischer Seite freute sich der Touristik-Minister über die Rückführung der Belastungen der Touristen (neue Regierung!) und die Touristik-Chefin des Bezirks Calvia begrüßte den Umstand ebenfalls. Uwe Schweifer wurde als Ehrenvorsitzender begrüßt. Er hatte inzwischen das Bundesverdienstkreuz erhalten. Er ist auf der Insel ansässig und hielt beim Konzert eine Ansprache in Spanisch. Sechs Chöre zeigten ihr Können bei Kirchenkonzerten vor brechend vollen Häusern. Eine 17-Punkte-Tagesordnung wurde an zwei Tagen ohne Debatten abgehakt. Wir kontaktierten alle PC-Delegierte, die mittelfristig mit uns zusammenarbeiten wollen. Am 14.-17.04.2005 wird es einen ³kleinen Sängertag" geben.


24. April 2004

Das Consularische Corps lud ein

Eintreffen 20:30 Uhr &endash; Einsingen &endash; Warten. Die drei Akkordeons liefen langsam heiß. Die Spannung war spürbar. Die kleine 32 - köpfige Seemanns-Abordnung des PCH saß bzw. stand erwartungsvoll in einem Seminarraum des 5-Sterne-Hotels "Interconti" an der Alster. Im großen Spiegelsaal hatte sich die High Society Hamburgs versammelt. Als Dank für diverse Einladungen der Freien- und Hansestadt Hamburg für die 96 Konsulate und Honorarkonsule bereiten selbige einmal im Jahr dem Senat und ausgewählten Parlamentariern mit Begleitung ein Jahres-Dinner. Das Festkomitee wurde angeführt vom scheidenden Doyen des ³CC" und Generalkonsul des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland Douglas McAdam. Den Kontakt zum Polizeichor Hamburg hielt über Kazuo Kanemaki Hans-Bernd Giesler, Honorarkonsul der Sozialistischen Republik Vietnam. Weitere Kommiteemitglieder: Dr. Jens Breitengross, Honorarkonsul der Rep. Kenia, Prof. Dr. Gerd Winand Imeyer, Honorarkonsul der Rep. Bulgarien, Adolf Klement, Generalkonsul der Rep. Österreich, Guillermo Kreckler, Generalkonsul der Argentinischen Rep. Und Dr. Andrzej Kremer, Generalkonsul der Rep. Polen. Alle traten gleichzeitig als Sponsoren ihrer landestypischen Produkte auf. Vor der Tür Blaulicht-Limousinen und Sicherheitsbeamte.

Der Hauptgang war endlich serviert und eingenommen. Die Uhr rückte auf 22:10, da holte uns die Hausdame ab und führte den Chor in den lichterglänzenden Spiegelsaal. Überraschte und erwartungsvolle Gäste empfingen uns vorläufig teils wohlwollend, teils reserviert. Sangesfreund Günter Runge hatte die Aufgabe einer kurzen Moderation übernommen und meisterte das galant und angepasst. Wir begrüßten die Gäste mit „Hallo, hier Hamburg", ergänzten mit Hamburgs heimlicher Nationalhymne „Mein Hamburg" um fortzufahren mit „Sailing", „A long Time ago", „Away Susanna" mit ansprechendem neuen Text, und gipfelten danach im rasanten „What shall we do with the drunken Sailor". Der Mix aus virtuosen Akkordeonisten, sicheren Solisten und der gelungenen Mischung der Titel schwungvoll dirigiert von Kazuo Kanemaki, der einigen Gästen offensichtlich bekannt war, ließ den Funken überspringen. Das erlesene Publikum jubelte und nötigte uns eine Zugabe ab. Wir hatten uns auf die „Isabella aus Kastilien" verständigt. Strahlende Gesichter bei den Damen und ein mitsingender erster Bürgermeister brachte die Stimmung auf den Höhepunkt. Wir hätten noch lange weitermachen können, doch dann wäre das exquisite Dessert vielleicht ausgefallen.

Nach unserem Abtritt, begleitet von anhaltendem Beifall, folgte uns der neue Polizeipräsident Werner Jantosch begeistert und meinte nur: „Toll! Kurz und knackig! Das war absolut super!" Ich denke, dass es Herrn Jantosch leichtfällt, die Schirmherrschaft des PCH zu übernehmen (PS. Inzwischen geschehen) und wir so manchen Konzertgast werben konnten. Eine erste Bitte um einen Auftritt kam bereits vom Konsul für Bulgarien und der japanische Generalkonsul sagte seinen Besuch beim Frühlingskonzert zu. Unser aller Meinung war, dieser Auftritt hat uns großes Ansehen in der Stadt verschafft und vielleicht so manche wichtige Tür aufgestoßen.

Otto Kadel


 

Frühlingskonzerte in der Hamburger Musikhalle am 15. Mai 2004

"Musikalische Entladung extremer Anspannungen" könnte man diese Konzerte nennen. Erstmals hatten wir nicht nur einen Polizeichor (Magdeburg) und ein Orchester sowie verschiedene Solisten auf der Bühne, sondern zusätzlich einen hochrangigen Männerchor aus Japan. Durch die Verbindungen unseres Chorleiters Kazuo Kanemaki in sein Heimatland und die dortige Musikszene, besuchte uns 2004 der “Yokohama Glee Club" anlässlich seiner Europatournee. Ein gut situierter ehemaliger Studentenchor. Für diese Gäste aus Fernost sind natürlich ein großes Hamburg-Programm und spezielle Kontakte unverzichtbar.


Kirschenland

Abschlussfeier im Restaurant Kirschenland

Aber auch der Kommers am Tage nach dem Doppelkonzert in der Hamburger Musikhalle musste einen besonderen Rahmen haben. Dankenswerterweise fanden wir im Wirt des Ausflugsrestaurants “Kirschenland" einen spendablen Chorliebhaber, der uns ganz enorm entgegenkam und ein “Sterne-Buffet" kreierte, wovon alle Beteiligten nur schwärmen konnten. Das ganze Ambiente draußen in Hamburgs weltberühmten Obstgarten mitten im Mai konnte einfach nur begeistern. Danke nochmals an Herrn Stubbe und seine Mannschaft!kirschenland

Das als Test erstmals in die Musikhalle verlegte Doppelkonzert (nachmittags und abends) wurde auch inhaltlich zu einem High-Light in unserer Chronik. Schon im E-Saal beim Proben kamen sich Gäste und Gastgeber sehr nahe. Das vom PCH einstudierte japanische Fischerlied “ßolan bushi" wurde natürlich vom “YGC" sofort aufgenommen und effektvoll mitgesungen. Auf der Bühne gestaltete sich diese Möglichkeit zu einer Publikumsüberraschung: Wenn die Japaner deutsch singen, antworten wir auf Japanisch. Der Saalerfolg war entsprechend euphorisch.

Der PC Magdeburg brachte durch seine russischstämmige Chorleiterin Tatjana Schemetowa naturgemäß viel russisches Liedgut, aber auch Niederdeutsches zum Vortrag, wie Z. B.: “Dat du min Leevsten büst". Mit Richard Wagners “Lied der Matrosen" aus “Der fliegende Holländer" und Edward Griegs furioser “Landerkennung" wurden die Zuhörer in die Pause geschickt.

“Über die Meere von Hamburg nach Yokohama" hieß es in einem großen Wechselgesang zwischen dem YGC und dem PCH. Das Eis war längst geschmolzen und unsere japanischen Gäste fühlten sich wie zu Hause! Das übertrug sich natürlich auf das Publikum.

Mit einem Gemisch aus Orchester und solistischen Auftritten steigerte sich das Konzert mit Verdis “Gefangenenchor" aus “Nabucco" zu einem gemeinsamen Höhepunkt. Wie schon eingangs erwähnt, diese beiden Frühlingskonzerte waren zwar anstrengend von der Vorbereitung und Durchführung her, doch eine Bereicherung der musikalischen Arbeit des PCH war es trotzdem.


18. - 26. Mai 2004
Der Ruf von Shanghai

Ich verbleibe in der Gegenwartsform, denn dieses Chinaerlebnis klingt nach und versinkt nicht gleich in der Vergangenheit. Der Polizeichor Hamburg von 1901 e.V. als offizieller Staatsgast beim gemischten Chor der Staatsanwaltschaft Shanghai, und gleichzeitig unter guten Freunden, das weckt Emotionen und Hochgefühl. Schon beim Betreten der eindrucksvollen, spiegelnden Hallen des Shanghai Pudong International Airports schallt uns "unser Chinalied" entgegen. Der komplette Chor der Staatsanwaltschaft Shanghai, an der Spitze Präsident Yang, strahlt winkend die Rolltreppe herauf. Unten angekommen erklingt "Hallo, hier Hamburg" (auf Deutsch!) und dann stürzen "unsere Chinesen" auf die Hamburger los mit riesigen Rosenbuketts im Arm und im Handumdrehen sind wir vereinnahmt, die Koffer werden befördert und die zwei Volvo-Busse bestiegen. Herzlichkeit pur. Wenn jemand gedacht hat, das sei nicht mehr steigerungsfähig, so war er auf dem Holzweg. Jedes weitere Festbankett ist eine neue Überraschung, und es folgen täglich welche. 

Vorerst aber ein Programm-Überblick mit den Hauptereignissen:

19. Mai (Mittwoch) nach dem Flughafenempfang Welcome-Party im prunkvollen Saal des Hang Qiao State Guest Hotels.

20. Mai (Donnerstag) Besichtigung 3000 Jahre alter Kulturstücke im Shanghai-Museum. Erstes Konzert in der Musikhalle "Heluting" des Shanghai Conservatory of Music mit dem Shanghai Opera House Symphony Orchestra. Ausstellung alter asiatischer Instrumente. Extraprogramm für mitgereiste Begleitung.

21. Mai (Freitag) Auffahrt in das höchste Gebäude Asiens, den Rundfunk- und Fernsehturm "Perle des Ostens". Transrapid. Zweites Konzert in der Musikhalle der Universität Jiaotong. Grußworte von Staatsrat Salchow aus Hamburg.

22. Mai (Samstag) Sehenswürdigkeiten: Yu-Garten, Yu-yuan- Shopping Mall, Shanghais Landungsbrücken und Promenade "Bund." Mittag in einem Top-Ten-Restaurant. PCH-Freundschaftstreffen in einem der zehn vornehmsten Clubs der Stadt Shanghai.

23. Mai (Sonntag) Tagesausflug nach Hangzhou mit See und Schiffsfahrt. Familien, Firmengruppen, gute Kontakte.

24. Mai (Montag) Ausflug nach Suzhou und Farewell-Party mit Gesangsprobe in der Shanghai-Oper. Shanghai im Lichterglanz.

25. Mai (Dienstag) Fischerdorf Zhujiajiao (60.000 Einw.). Gruppenteilung Weiterreisende /Rückkehrer

Aus unserem Tagebuch:

Hinflug: 8:15 Ankunft in München " umsteigen in Airbus 340-300 "Leipzig" (voll besetzt) um 21:30 (Start 21:57). Direktflug über Weißrussland, Mongolei, China. 7:05 Chinazeit Sonnenaufgang. 12:00 Dach der Welt überflogen. Vor jedem Essen heiße Tücher zur Erfrischung. 13:13 h noch 578 km. Pünktliche Landung. Übrigens der Rückflug war gleichermaßen unproblematisch.

In den beiden Volvo-Bussen lernen wir unsere Begleitung und Dolmetscher kennen: Die Studenten Herr Chang, alias Oliver und Frau Zhao, genannt Loni, studieren mit Stipendium ab August für 3 Jahre mit 25 Kommilitonen in Bayreuth. Vom Reisebüro sind Frau Wang und Herr Dong (leider mit markantem Akzent) dabei.

Als VIP sind immer präsent:

  • Präsident der Staatsanwaltschaft Shanghai Herr Wu
  • Vizepräsident Herr Yu
  • Vizepräsidentin und Chefin der Verwaltung Frau Liu.
  • Vorsitzender des Chores Herr Yang, fehlt bei keiner Veranstaltung.
  • Dirigent des Shanghai-Chores Herr Zhao Jiagui wird offensichtlich zum Freund von unserem Chorleiter Kazuo Kanemaki.
  • Weitere aufmerksame Begleiter rund um die Uhr sind Herr Chen Min Ya (Deputy Director der Staatsanwaltschaft " Abt. Auslandsangelegenheiten), Herr Xie Yanbiao und Herr Song Zai, beide Staatsanwaltschaft- und Chormitglieder. Sie schaffen es, Verlorenes spätestens beim nächsten Frühstück an den Platz des Besitzers zu befördern!

Ab Pudong ist es etwa 1 Std. Busfahrt zum Hong Qiao State Guest Hotel. 18 Uhr Empfangsdinner im Prunksaal des Hotels. Hübsche Chinesinnen in den typisch engen, geschlitzten Seidenkleidern stehen Spalier am Eingang und begrüßen alle Gäste. In den Ansprachen beider Vorsitzender kommt das Wort Freundschaft sehr oft vor.shanghai13

Der Ablauf des Abends ist exakt wie von Frau Agnes E. Schöttler (Chinagesellschaft Hamburg) beschrieben. Mit dem Gastgeber stehen alle abrupt auf. Reste bleiben in den Gläsern und auf den Tellern. Das ist chinesische Esskultur. Wir sind der Hamburger Chinagesellschaft für ihre vielseitige Hilfe sehr dankbar.

Die Hotelzimmer haben echte 5-Sterne Ausstattung. Die von uns mitgebrachten Namensschilder sind überflüssig. Es liegen fehlerfrei gedruckte Umhängelabels auf dem Hoteltisch, genau so wie jede erdenkliche Kleinigkeit.

Frühstück im überdachten Innenhof, stilisierte Palmen. Chinesisches, englisches und europäisches Bufett. 9:45 h Shanghai-Museum. Große weiße Löwenstatuen vor der Marmorfassade begrüßen uns in tropischer Luft. Alle Wohnungen und Gebäude sind klimatisiert, was die Stromversorgung im Sommer problematisch macht. Unsere Freunde räumen ein, gegen die Luftverschmutzung müsse man noch was tun... Kurze Stunde Besichtigung. Kultgefäße, Werkzeuge, Waffen und Glockenspiele. Hochentwickelte Bronze-Gusstechnik, Steingut /Ceramik bis zum feinsten Porzellan. 3000 Jahre alte Exponate sehen teils aus wie eben gefertigt.

Konzert 19:30 h, statt Rundfunkorchester spielt das Orchester der Shanghai Oper. Sie bringen großartige Solisten mit: Tenor Chang Bicing (Chinesischer Pavarotti?) und eine Violin-Virtuosin. Kazuo führt das neue Orchester, als sei man seit Jahren bekannt. Standing Ovations nach grandiosem Konzert. Beide Dirigenten fallen sich in die Arme. Große Freude! Jedoch ungewohntes Publikumsverhalten: Während der Begrüßungsansprachen mit Dolmetscher fortwährendes Kommen und Gehen, Unterhaltung und allgemeine Unruhe. Das sei aber normal, hören wir.

Wir besuchen ein eigenes Museum im Konservatorium mit historischen Musikinstrumenten: Sita-Variationan aus China, Japan und Korea, Panflöten und Schallmaien, Bambus Mundorgeln etc. Deutliche Zeichen für Kulturverwandschaften in Asien.

21. Mai. Am frühen Morgen zeigt der Blick vom Balkon dunstiges und stickiges Wetter.

8:15 geht es zur Besichtigung des Fernsehturms "Oriental Pearl Radio & TV Tower" (468m / Plattform 267m per Lift mit 7m/s) und rasanter Fahrt mit dem Transrapid (max. 431 km/h). Bei Betreten der Aussichtskugel fallen Fensterputzer auf, die sich außen herablassen. Der Überblick zeigt deutlich, Shanghais Hochhäuser bilden im Gegensatz zu New York keine engen Schluchten. Zwischen den Wolkenkratzern ist Platz für die kleinen alten Häuser und gepflegten Grünflächen. Ebenso sind die mehrschichtigen Hochstraßen mit zigtausenden Balkonkästen bestückt. Frage: "Wer gießt sie?" Alle Zwischenräume sind wie Schlossgärten angelegt. Der Autobahnmittelstreifen (Privatstraßen!) ist mit Koniferen und Büschen in stets gleichem Rhythmus (Säule-Kugel-Blütenstrauch) auf 240 km bepflanzt. In der Ausgangshalle des Perltowers sieht man Ausstellungen von klassischen englischen und chinesischen Hausszenen, Garküche, Apotheke und Seidensticker. Souvenirläden. Vor der Sehenswürdigkeit, wie auf allen Busplätzen, warten Händler mit "Rolex plus Montblanc" -Imitaten.

VW ist eindeutig führend bei den Kraftfahrzeugen. VW-Santana, der in China weiterhin gebaut wird, ist in drei Generationen zu sehen (fast alle Taxen), aber auch Audi und Buick sowie für die oberen Klassen Mercedes E und S sowie BMW und Porsche, und davon nicht wenige! 4000 Nummernschilder werden monatlich verlost. Der Kauf eines Autos alleine reicht nicht. Ampeln in Digital- und Diodentechnik: Rotes Männchen steht, grünes Männchen läuft. Auch für Farbenblinde verständlich. An den Hauptstraßen gibt es breite Fahrradstreifen durch Stellgitter getrennt. An Ampeln stehen die Fahrradpulks ganz vorne und fahren bei "Grün" ungefährdet vorweg. An jeder Zufahrt wacht ein exakt uniformierter Polizist mit weißen Handschuhen und pfeift jeden zurück, der sich nicht an die Regeln hält. Wir hören, dass ein Verkehrssünder solange zu Erziehungszwecken an der Straße selbst überwachen muss, bis er von einem folgenden Sünder abgelöst wird. Eine Maßnahme für Deutschland?

Transrapid. Blitzsaubere Halle in lindgrün mit silbergrauen Streifen. Auch hier Aufsichtspersonal in grauen Uniformen und weißen Handschuhen. Sicherheitsstreifen (Safetyline) und Glasgeländer mit Durchgängen, an denen die Zugtür präzise hält. Wir fahren mit über 430 km/h und haben ein ruhigeres Gefühl, als mit dem Regionalexpress von Altona nach Westerland. Nur unwesentliche Vibration bei Geschwindigkeiten von 80 km/h schon kurz nach Verlassen des Bahnhofs, dann wird die Maximalgeschwindigkeit eines Autos überschritten, Abhebgeschwindigkeit von Flugzeugen und schließlich Erreichen der 431 km/h. Begegnung des Gegenzugs (=total 860 km/h) wird nur als kurzer Ruck empfunden. Das Technik-Wunder gelenkt und gesteuert von einer zarten Chinesin! Jeder fragt sich, warum solch deutsches Know-how nicht im eigenen Lande realisiert werden konnte. Man zahlt momentan 8,- EUR pro Fahrt. Personal begleitet uns bis an die Busse.

Von Brücken im Format der Köhlbrandbrücke gibt es in Shanghai gleich fünf. Von der höchsten windet sich die Straße in drei Spiralen herunter in die Stadt. Auch das Fußballstadion fasst hier 80.000 Zuschauer.

Die stickige Luft klärt ein nächtliches Gewitter. Danach ist es deutlich klarer und der Himmel blau.

Auffallend die Vielfalt der Hochhaus-Architektur. Überwältigend bei nächtlicher Illumination. Die Wolkenkratzer leben. Einer mit am Tage Goldverglasung erscheint nachts als Riesen-TV-Bild. Ein anderer wechselt die Farben, wie ein Riesen-Regenbogen und an einem dritten schießen blaue Blitze gen Himmel! Grandios!

shanghai01a jpgZweites gekürztes Konzert in der Uni, da auch der Chor der Lehrkräfte und Professoren sowie der Studentenchor mitwirken, die später unsere Fans werden! Es gibt etwa 1600 Holz-Plätze. Außen und innen Spruchbänder mit Ankündigung des PCH. Saaltyp: Man glaubt, gestern sprach hier Mao zum Volk. Beide Säle bei unseren Konzerten haben total unterschiedliches Flair: Im Zedernholzmusiksaal mit dem zuvor reservierten Publikum kommt erst zum Schluss die Euphorie auf und man will gar nicht nach Hause gehen. Hier bei den Studenten und einer Art Chorwettbewerb ist von Beginn an die Hölle los. Ein herrliches Gefühl. Entsprechend "funktioniert" unser Chor. Kazuo Kanemaki meint: "Das ist die Kraft der Musik!". Das Essen nehmen wir an diesem Abend in einer Art Mensa mit besserem Obergeschoss ein. Bekleckerte Hemden werden vom Begleitpersonal sofort am Körper saubergewischt.

Herr Staatsrat Salchow überbringt den Shanghaiern die Grüße der Hansestadt Hamburg: "Ihr Konzert hatte eine gute Resonanz in Hamburg, Dank für die Einladung des PCH und Dank an Frau Schöttler der Hamburger Chinagesellschaft. Wenn jemand hier an der PCH-Probe teilnehmen will: Die ist Donnerstags im Polizeipräsidium Hamburg. 2006 besteht die Partnerschaft Hamburg-Shanghai 20 Jahre. Ein neuer Vertrag ist in Vorbereitung."

22. Mai. Yu-Garten. Ein historisches Anwesen hoher Persönlichkeiten des alten Feudalsystems Chinas in einem Viertel mit typischen Pagodendächern, Steingarten und Goldfischteichen. Rundherum spezielle (Touristen) Geschäfte in der Yu-yuan-Shopping-Mall. Mittagessen wieder in einem Top-Ten-Restaurant "Lu Bo Lang".

Hafenrundfahrt in moderner Staatsjacht vom "Bund" aus. Im Salon Ledersitze und Obstschälchen - und immer steht Wasser bereit. "Der Bund" ist die Uferpromenade mit Landungsbrücken, die etwas an Hamburg erinnern. Nur alle Ausmaße hat man zu verdreifachen.

Abends 18:30 Freundschaftstreffen des PCH mit dem kompletten Shanghai-Chor in einem der vornehmsten Clubs der Stadt. Es wird zu einem rauschenden Fest. Wechselseitiger und gemeinsamer Gesang, Austausch zahlreicher Geschenke. Wieder klicken die Kameras und laufen die Videogeräte. Wir gehen nachher beladen nach Hause. Wie sagte schon Frau Schöttler: "Fahren Sie mit leeren Koffern. Es ist noch nie einer mit weniger Koffergewicht von China zurückgekommen." Rückfahrt verspätet um 22:30.

23. Mai. Der Ausflugsort Hangzhou ist am heutigen Sonntag stark besucht. Auf dem großen See fahren Schiffe mit Pagodendächern. Wir besteigen ein modernes Schiff und haben viel Spaß. Dann Abstecher zu Teefarmen. Nachdem zwei geschlossen haben, Informationen über Tee und Teetrinken bei einer dritten Teefarm. In China Pflichtübung. Die Rück- (Irr-) fahrt durch Gegenden mit "Normalchinesen" eröffnet uns Einblicke in den deren Alltag. Steineklopfen wie bei uns nach Kriegsende. Totale Materialverwertung. Junge Leute machen sehr fröhlichen Eindruck. Überall wird gewerkelt. Elektrokabel wie Spinnennetze in der Höhe. Hügellandschaft wie Weserbergland mit tropischen Pflanzen. Dazwischen die Teeplantagen. Angeblich Chinas größtes Exportgebiet.

24. Mai. Die Ausfahrt nach Suzhou sollte zwar nur 30 Minuten dauern, wir sind aber wieder 1 1/2 Std. unterwegs. Immer sind Getränke (Wasser) an Bord. In den Shanghaier Tageszeitungen (und im TV) sind auf der 1. Seite Bildberichte von den Konzerten erschienen.

shanghai05 jpgD. Dorn berichtet aus kleinem Lokal: Trinkgeld wurde strikt abgelehnt: "Wir wollen nicht euer Geld, wir wollen euer Herz!"

Die Tempelanlage "Tigerhügel" empfängt uns mit Massen von Blumen in Töpfen an beiden Seiten des Weges. Die ganze Anlage ist von einem Kanal umgeben. Buddhismus ist wieder voll erwacht und wird praktiziert. In der Mitte der Anlage singen wir "Am kühlenden Morgen" und "Das Glöcklein". In den verschiedenen Tempeln Blütenduft, Gold und Farbe.

Im Ort sehen wir viel Zulieferindustrie bzw. Kleinbetriebe.

Info: Shanghai hat bis jetzt eine U-Bahn. Bis 2010 sollen es 18 werden.

Man trifft Lastwagen mit bastumwickelten großen Bäumen. Damit werden Parks und Alleen gleich sehenswert fertig bepflanzt. Das Problem des Wässerns konnte nicht geklärt werden (siehe auch Autobahnbepflanzung!).shanghai07 jpg

Besuch einer großen staatlichen Seidenmanufaktur. Wir sehen das Abwickeln der Cocons. Die Einzelfäden kaum sichtbar. Das Einfädeln der Frauen wirkt imaginär, das Spinnen und die Endbearbeitung. Im großen Seidenkaufhaus zeigt man alles, was aus Seide herzustellen ist und es wird reichlich gekauft. Überall muss gefeilscht werden nur hier nicht: Festpreise!

Besichtigung eines weiteren alten Hausgartens mit Teich. Auf der Rückfahrt platzt dem Bus einer der Zwillingsreifen hinten links. Kurzer Stopp, Kontrolle und langsame Weiterfahrt. Daher nur Kurzstop im Hotel (16:40 bis 17:15 h) und ab in die Oper. Fotos auf der Treppe. "Das ist der Tag des Herrn" im Parkett und alle fühlen sich auch so. Die Oper ist so neu, dass das reichlich verarbeitete Holz (Zeder?) intensiven Geruch verströmt. Die Bühne ist vorbereitet für das Musical "The Sound Of Music". Sie kann in alle Richtungen verschoben werden. Der Hauptsaal fasst 1800 Besucher. Farewellparty im Obergeschoss mit Glasfront und Sicht auf die Skyline Shanghais. Prunkvoll gedeckte Tische mit goldenem Besteck und Blumengestecken. Alle Stühle mit Bezügen und großen Schleifen hinter der Lehne. Ansprachen der Vorsitzenden beider Chöre, Yang und Raabe und der Vizepräsidentin Frau Liu: "Alle Zeitungen haben von den Konzerten berichtet und die Shanghaier beneiden Sie um Ihre Chorkunst. Wir werden sie nicht vergessen und der Shanghaier Chor freut sich schon auf ein Wiedersehen." Anhaltender Beifall. Allgemeines Zuprosten: "Kampei!" Musik von Mozart im Hintergrund.

25. Mai. Allein das "Fischerdorf" Zhujiajiao zählt 60.000 Einwohner. Fischermuseum, Betonkähne auf dem Kanal zum Jangtsekiang. Eine Hochzeit wird mit Knallfröschen gefeiert. Überraschend gut klingende "Natur-Klarinetten" und Panflöten werden reichlich gekauft. Viele kleine Läden in allen Variationen bieten alles an, was man braucht oder auch nicht. Eine historische Reismühle fehlt auch nicht.

Beim letzten Frühstück werden 500 Fotos in drei Alben und schon auf DVD überreicht. Videos sollen später kommen. Raumbeschreibung: Grün-Gold indirekte Beleuchtung. In der Mitte Kristall-Lotusblüten in einem Glaskugelbett.

Beim Abflug kommt die ganze Begleitergruppe bis an den Eincheckschalter mit.

Beim Rückflug erleben wir gut 5 Stunden Sonnenaufgang. Unterhaltungscomputer fällt 4:45 aus. Die Fenster sind verschlossen und wir träumen von den fernöstlichen Köstlichkeiten und "unserem Shanghai" ...Xin-xin für die Mühen.

Otto Kadel, Schriftführer